The Cleveland Orchestra

Franz Welser-Möst Dirigent
Festkonzert 30 Jahre Odeon Concerte 

New York, Boston, Philadelphia, Chicago und Cleveland! Das sind die fünf magischen Namen der nordamerikanischen Orchesterszene, die legendären „Big Five”. Sie sind nicht nur die Top-Orchester Amerikas sondern gehören zu den besten Orchestern der Welt. Dass es uns jetzt gelungen ist, das Cleveland Orchestra zum 30-jährigen Odeon-Jubiläum zu verpflichten, ist ein Glücksfall für Regensburg und weit darüber hinaus.Unter den „Big Five“ ist das Cleveland Orchestra in seiner Brillanz und erlesenen Klangkultur sicherlich das europäischste. Die Grundlage dafür legte die fast ein Vierteljahrhundert dauernde Amtszeit des ebenso autokratischen wie genialen Dirigenten George Szell. Sein mit drakonischer Strenge durchgesetzter Perfektionsanspruch und sein unerbittlicher Probenfanatismus führten das Orchester zu weltweitem Ruhm. Diesen atemberaubend hohen Standard entwickelten Pierre Boulez, Lorin Maazel, Christoph von Dohnányi und ab 2002 der Österreicher Franz Welser-Möst weiter.Er ist einer der bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart: Schon mit 29 war er Chef des London Philharmonic Orchestra, danach Musikdirektor des Zürcher Opernhauses und bis 2014 GMD der Wiener Staatsoper. Zweimal dirigierte er die ihm eng verbundenen Wiener Philharmoniker im weltweit übertragenen „Wiener Neujahrskonzert“. Nach triumphalen Erfolgen bei den Salzburger Festspielen mit Rusalka und Rosenkavalier leitet er dort 2015 die Neuproduktion von Fidelio.

 

 

 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)


Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 "Jupiter-Sinfonie"



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Richard Strauss (1864 - 1949)

Eine Alpen-Sinfonie op. 64

Fulminantes Jubiläumskonzert im Audimax

von Andreas Meixner, Mittelbayerische Zeitung, 26.10.2015

30 Jahre Odeon-Concerte Regensburg, 30 Jahre Reinhard Söll als überstrahlender Impresario der Region. Eine Erfolgsgeschichte, die auf Leidenschaft, Mut zum Risiko, Fleiß und brennender Liebe zur Musik beruht. Als Söll begann, war Regensburg auf den Tourneeplänen der großen Stars nicht existent, eher tiefste ostbayerische Provinz im Schatten der großen Kulturmetropolen München und Nürnberg. Viele Anekdoten kann Söll erzählen, wenn er seinen langen Weg zu Top-Veranstalter skizziert. Konsequent etablierte er das Audimax der Universität zu einer ersten Adresse im internationalen Konzertbetrieb. Die Kritik an der Akustik und am Flair des Multifunktionsraums ist zwar bis heute nicht ganz verstummt, allerdings gibt es keine ernsthafte Alternative – schon allein deswegen, weil sich die Stadtgesellschaft und die Politik seit Jahrzehnten so ungemein schwer dabei tut, eine Stadthalle oder ein Kongresszentrum zu realisieren. Es wäre dabei nicht verwunderlich, würde Söll grundsätzlich am Audimax festhalten.

Jedenfalls fühlte sich das Cleveland Orchestra – laut New York Times das beste Orchester der USA – unter dem Dirigat von Franz Welser-Möst, das Söll sich zum Jubiläumskonzert leistete, hörbar wohl. Über den ganzen Abend entwickelte das Spitzenorchester sein warmes Klangbild und korrespondierte bestens mit dem Konzertraum. Um es gleich frei heraus zu sagen: An der technischen Perfektion und der überragenden musikalischen Performance etwas auszusetzen, wäre vermessen und dekadent. Alle Register sind mit Instrumentalisten von Weltklasse besetzt, spielen Miniaturen genauso atemberaubend wie die mächtigen, überbordenden Tutti-Stellen der Alpensinfonie von Richard Strauss.

Zuvor, im ersten Teil, Mozarts große Jupitersinfonie: Puristen der historischen Aufführungspraxis werden angesichts der großen Streicherzahl den Kopf schütteln, aber Welser-Möst, bis 2014 GMD der Wiener Staatsoper, gelang eine ungemein transparente und differenzierte Interpretation, die berechtige Zweifel an der überdimensionierten Besetzung vergessen ließ. Da war alles erstaunlich leicht. Ohne Mühe waren Haupt- und Seitenthemen durch alle Sätze zu verfolgen. Die Fugen des zügig dirigierten 4. Satzes schichteten sich mit großem Drang nach vorne zu einem spannenden Finale. Schon das war ein großes Erlebnis.

Und nach der Pause platzte dann erwartungsgemäß das Konzertpodium aus allen Nähten. Batterien von Blechbläsern, weiteren Kontrabässen und etliches Schlagwerk hat Strauss für nötig empfunden, um seiner symphonischen Alpenwanderung alle Facetten und Klangfarben zu verleihen. Und auch hier galt, was schon bei Mozart zu hören war: Durchsichtigkeit, sensibler Umgang mit Dynamik und Effekten in Reinkultur. Selbst im Forte des kompletten Klangapparats wurde es nie lärmend, sondern blieb stets kontrolliert, um Nachfolgendes nicht zu erdrücken. Wurde es lyrischer, so ließ der große Dirigent mehr zu, gab ein wenig nach. Das alles wohl und perfekt dosiert, aber immer noch mit großer Emotion. Wer jetzt noch Welser-Möst unterstellen will, er sei ein Technokrat am Pult, hat nichts verstanden. Im begeisterten Schlussapplaus reichte ein Blick in sein Gesicht, um zu sehen, wie sehr ihn diese Musik bewegt. Nach einem solch grandiosen Konzert ist es nicht selbstverständlich, dass das Orchester bereit ist, dem Publikum mit der Mondscheinmusik aus Capriccio noch eine erlesene Zugabe zu geben. Reinhard Söll ist da nur zuzurufen: Ad multos annos!