Sol Gabetta Violoncello

Kammerorchester Basel
Giovanni Antonini Dirigent

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)


Ouvertüre zu "Die Geschöpfe des Prometheus"



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Gabriel Fauré (1845 - 1924)


Élegie für Violoncello und Orchester op. 24



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Camille Saint-Saens (1835 - 1921)
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 33



*** PAUSE ***

Ludwig van Beethoven


Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60

„ Zum Dahinschmelzen schön!“

Gerhard Dietel, Mittelbayerische Zeitung | 19.10.2014

Selbstverständlich gibt es beim Eröffnungskonzert der diesjährigen Odeon-Saison Blumen als Dank für die Solistin Sol Gabetta. Aber Blumen auch für den Konzertmeister? Der sieht sich an diesem Abend unversehens im Rampenlicht. Weil Giovanni Antonini, der angekündigte Dirigent erkrankt ist, hat das Kammerorchester Basel beschlossen, ganz auf einen Leiter von außen zu verzichten. Dies funktioniert erstaunlich gut: dank einer überschaubaren Zahl von Musikern auf dem Podium und wohl auch einer perfekten Voreinstudierung der aufgeführten Werke. Mit Einspielungen Beethovenscher Sinfonien hat sich das erst 1984 gegründete Kammerorchester Basel in den letzten Jahren sehr erfolgreich auf dem Tonträger-Markt profiliert. Musik Beethovens umrahmt denn auch den Odeon-Konzertabend im Audimax. Zwei trockene, frappant kurz abgerissene Akkordschläge wirken wie ein Fanal: Mit ihnen eröffnen die Musiker die Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus“ und zeigen bereits hier ihre eigene Handschrift. Weder um Schönklang noch um breites, pastoses Ausmalen geht es ihnen, sondern um die Entfaltung jener Energien, die in Beethovens Partituren stecken.

Ganz Spiel von Muskeln und Sehnen ist auch die den Abend beschließende „Vierte“. Das Spiel der Basler Musiker stellt die Kontraste auf kleinem Raum prägnant heraus: zwischen Legato-Phrasen und trockenem Staccato, klarer Metrik und bewussten Störungen des Takts, Piano-Stellen und hereinplatzenden Sforzato Schlägen. Gekonnt werden die Gegensätze auch verschränkt, wenn etwa im langsamen Satz unter den breit ausgesungenen Melodiebögen scharf akzentuierte Rhythmen pulsieren. Ganz anders, nämlich diskret und anschmiegsam, agiert das Orchester, als es gilt, Sol Gabetta zu begleiten und mit ihr zu dialogisieren. Sol Gabetta, schon wiederholt an gleicher Stelle zu erleben, begeistert abermals ihr Publikum. In Gabriel Faurés „Elegie“ und dem ersten Cellokonzert von Camille Saint-Saëns bezaubert sie mit weit gespannten Kantilenen auf ihrem Instrument, aber auch mit agilem Passagenwerk. Es ist kein großer Ton, den sie entfaltet – manche melodische Phrase wird schon einmal vom Orchester zugedeckt – aber ein Ton voller Wärme, Leuchtkraft und zarter, stets geschmackvoll gezügelter Sinnlichkeit.

So angetan ist das Publikum im Audimax von Sol Gabettas Auftritt, dass es die Künstlerin nicht so schnell vom Podium entlassen will, und wird für seinen anhaltenden Applaus dann auch mit zwei Zugaben belohnt: einer Bearbeitung von Faurés Lied „Après un rêve“ sowie einem nur von den Orchestercelli grundierten, sich schließlich in Flageoletthöhen verlierenden „Gesang der Vögel“ von Pablo Casals. Sehnsüchtig und sanft tönt beides, zum Dahinschmelzen schön.