Rudolf Buchbinder Klavier

spielt Beethoven

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)


Klaviersonate Nr. 2 A-Dur op. 2/2



***

Klaviersonate Nr. 9 E-Dur op. 14/1



***

Klaviersonate Nr. 15 D-Dur op. 28 "Pastorale"



*** PAUSE ***

Klaviersonate Nr. 27 e-Moll op. 90



***

Klaviersonate Nr. 23 f-Moll op. 57 "Appassionata"

Buchbinders Beethoven macht glücklich

Von Gerhard Dietel, Mittelbayerische Zeitung | 1.3.2015

(…) Für seinen reinen Beethoven-Klavierabend im Rahmen der Odeon-Konzerte trifft Buchbinder eine kluge Auswahl, in der neben höchst Populärem wie der „Appassionata“ auch Stiefkinder des Konzertbetriebs erklingen. Gleichzeitig spannt er den Bogen vom frühen Sonatenschaffen Beethovens bis zu den Werken der Reifejahre. Einzig das Spätwerk bleibt bei Buchbinders Auftritt im Regensburger Audimax ausgespart.

Die Genieattitüde des jungen Beethoven zeichnet der Pianist in seiner Interpretation von op. 2/2 heraus. Licht- und Schattenwurf wechseln beständig: trocken getupfte oder flatterleichte Figuren mit in Pedalisierungen getauchten Absenkern, kraftvolle Schübe mit sanften Beruhigungen. Der musikalische Verlauf wird zum beständigen Abenteuer. Zunächst harmlose Themen plustern sich zu drohenden Monstern auf, um bald wieder ins Nichts zusammenfallen. Buchbinder schärft und pointiert die Musik, wobei er sich viele Freiheiten in der Tempogestaltung erlaubt, ganz im Zeichen einer mehr romantischen als analytischen Beethoven-Deutung.

In der „kleinen“ Klaviersonate op. 14/1 arbeitet Buchbinder die kammermusikalische Faktur des Satzes heraus, wobei er jedoch den Allegretto-Mittelsatz ungewöhnlich schnell, fast gehetzt erscheinen lässt. Im Kopfsatz der D-Dur-Sonate op. 28 wiederum zeigt er ganz exemplarisch Beethovens Durchführungstechnik als ständiges Zerkleinern motivischen Materials bis hin zur Reduktion auf einen einzelnen Ton. Etwas irritierend ist es, dass zu Beginn und im Finale der Grundpuls der Komposition ins akustische und metrische Ungefähr verschwimmt.

Glückes genug bietet Buchbinders Beethovenspiel vor der Pause, aber mancherorts auch nicht ganz überzeugende Lösungen, gar kleine Manierismen. Vielleicht ist dies jedoch differenzierende interpretatorische Absicht: In den beiden nach der Pause erklingenden Sonaten aus Beethovens reiferen Jahren setzt Buchbinder weit mehr auf die große Linie als auf die einzelne Pointe. In op. 90 wird der zweite und abschließende Satz zum Mirakel: ein ganz lyrisch formulierter Rondosatz, bei dem man sich nicht satthören kann an Buchbinders singendem Spiel und mit Vorfreude auf jeden Wiederauftritt des schönheitssatten Refrains wartet. Mitreißend dann auch die „Appassionata“: nicht als wilder Rausch gespielt, sondern in zwar rasanten, aber glasklar intonierten Figuren mit quasi kontrolliertem Furor. Auf gleichem höchstem Niveau bewegt sich das als Zugabe gespielte Finale der „Sturm“-Sonate – der Dank Buchbinders für den sich bis zu stehenden Ovationen steigernden Applaus des Odeon-Publikums.