"Best of Grubinger"

Martin Grubinger Percussion
Camerata Salzburg | John Axelrod Dirigent

Schlagzeugwirbel bis zum Umfallen

Von Claudia Böckel, Mittelbayerische Zeitung | 18.1.2015

(…) Er ist der musikalische Spitzensportler par excellence. Seine kraftraubenden Projekte sprechen für sich. Er ist in vollem Einsatz, bedient ganze Maschinenparks von Schlaginstrumenten, entlockt ihnen Töne von leisestem Pianissimo bis zu Düsenjetlautstärke, spielt auswendig und mit äußerster Präzision – und das oft über vier Stunden und mehr. In Regensburg, bei Odeon Concerte im Audimax, waren es 3 Stunden 15. (…) Es entfaltete sich ein Best of Grubinger, eine musikalische Reise vom Balkan bis Südamerika, ein Feuerwerk von Rhythmen und Klängen, bei dem die Camerata Salzburg und Grubingers Schlagzeugkollegen, als zweiter Solist Manuel Hofstätter, fantastische Partner waren.

(…) Schon bei Dorman war klar, bei Leonard Bernsteins „West Side Story“ erst recht: Dirigent John Axelrod, geboren in Houston und als 16-Jähriger noch Eleve bei Lennie B., performed die Musik. Jede kleinste Strukturänderung ist abzunehmen, klarste Diktion meistert die vertrackten Rhythmen, mit lockerem Hüftschwung erzeugt er Swing. Kommt ein Solo auf den Kongas, tritt er auch mal zur Seite oder spaziert lässig über die Bühne. Überhaupt ist das Miteinander von Orchester, Dirigent und Solisten sehr freundschaftlich. Auch in der Pause heißt es nicht: Ich Solist, Du Orchesterwart, sondern Grubinger sortiert seine Utensilien selbst neu, Axelrod verteilt Zettel auf den Notenpulten.

Nach der Pause geht es über den Balkan nach Südamerika. Zoltán Kodálys „Tänze aus Galanta“ geben vor allem den Bläsern Möglichkeit zur Entfaltung, auch in den Tangos von Piazzolla gibt es über maschinenmäßigen Strukturen wunderbare Bläserkantilenen und Geigensoli. Sechs Schlagzeuger sind hier im Einsatz, und auch das Orchester macht Percussion. Wolf Kerscheks „Jazz-Suite“ ist ein Medley, 2012 in Salzburg uraufgeführt von Grubinger und der Camerata, 15 Minuten lang, extra arrangiert für diese Besetzung. Ganz soft geht es los, ohne Bläser, die Kontrabassistin macht eine Gesangseinlage, begleitet von gestopfter Trompete, dann kommen die Bläser als Dixie-Band in den Saal. New Orleans is coming. Grubinger macht seinen berühmten Trommelwirbel, steigert die Frequenz bis zu einem Dutzend Schlägen pro Sekunde, bis zum Umkippen, bis zum Abheben.

Axelrod bringt nicht nur seine begeistert aufspielende Camerata auf Trab, sondern auch das Publikum, man schnippt, klatscht, der Pianist rastet mit seinem Ragtime aus, das Orchester singt ein Gospel… Was kann man da noch draufsetzen? Kerscheks „Balkan Grooves“ mit Klezmer-Einlagen, dem Cardas von Monti und anderen ungarischen Tänzen. Standing Ovations für Grubinger und sein Team.