Prager Symphoniker

Boris Giltburg Klavier
Christian Arming Dirigent

In den Orchestern der „goldenen Stadt“ Prag bündelt sich der Glanz böhmischer Musikkultur: Kennzeichnend sind ein sonorer, runder und warmer Klang, sowie herzhafte, erzmusikantische Vitalität. Zusammen mit der Tschechischen Philharmonie sind vor allem die vor 80 Jahren gegründeten Prager Symphoniker weltweite Botschafter dieser Orchestertradition. Unter Leitung des Österreichers Christian Arming kommen die Prager nun nach Regensburg. Arming dirigierte u.a. bei den Salzburger Festspielen, beim Boston Symphony Orchestra, den Münchner Philharmonikern und der Staatskapelle Dresden.

Mit dabei: Der 30jährige israelische Pianist Boris Giltburg. Er errang 2013 großes Aufsehen durch seinen Sieg beim berühmten Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel nachdem er zuvor bereits beim Artur-Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv und im spanischen Santander erfolgreich war. Heute spielt er in Top-Konzerthäusern wie dem Amsterdamer Concertgebouw, im Wiener Musikverein und der Londoner Royal Festival Hall.

 

 

 

 

 

Bedrich Smetana (1824 - 1884)


Tänze aus "Die verkaufte Braut"



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Sergej Rachmaninow (1879 - 1943)
Paganini-Rhapsodie für Klavier und Orchester op. 43



*** PAUSE ***

Antonín Dvorák (1841 - 1904)
Vier Slawische Tänze op. 46/72



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Leos Janácek (1854 - 1928)
"Taras Bulba" Orchesterrhapsodie

Bei Boris Giltburg brodelt der Flügel

Von Gerhard Dietel, MZ | 26. April 2014

Nur in Umrissen ist das Thema in der vorausgeschickten ersten Veränderung zu ahnen, bevor es in voller Gestalt ertönt. So eigenwillig beginnt Serge Rachmaninows Klavier-Orchester-Rhapsodie über die berühmte 24. Violin-Caprice Niccolo Paganinis. Beim Odeon-Konzert am Freitagabend im Audimax steht das Werk im Zentrum; es gibt dem jungen Pianisten Boris Giltburg die Chance, seine stupenden pianistischen Möglichkeiten vorzuführen. Treffsicher stechen Giltburgs Hände aus der Luft herab und tanzen wie zwei Springteufel über die Tasten, lassen im leichtgewichtigen Leggiero ein kapriziöses Tongestöber erklingen oder formulieren donnernde Oktavgänge in wildem Martellato. Der Pianist bringt den Flügel zeitweise geradezu zum Brodeln, kann jedoch auch tiefe Ruhe ausstrahlen: wenn er zunächst ganz zart, dann hymnisch sich steigernd jene Des-Dur-Melodie anstimmt, die so ganz nach Rachmaninows russischer Seele klingt, obwohl auch sie nur ein Paganini-Vexierbild darstellt. Nach dem Parforceritt durch die strapaziöse Partitur zeigt sich Giltburg noch frisch und will seinen Platz am Flügel schier nicht mehr räumen: mit Zugaben von Brahms, Prokofjew und Rachmaninow beglückt er die begeisterte Zuhörerschaft.

In ihren eigenständigen Beiträgen setzen die Prager Symphoniker, geleitet von Christian Arming, mit einigen der „Slawischen Tänze“ Dvoráks und tänzerischen Extrakten aus Smetanas „Verkaufter Braut“ auf Bodenständig-Böhmisches. Schneidig und zackig klingen die Einleitungen oft, bevor sich die Polka-Töne behaglicher ausbreiten: schlendernd und wiegend, doch jederzeit bereit, wieder zu kraftvoller, ja pompöser Steigerung anzusetzen. Wunderbar verstehen Christian Arming und das Orchester hier das Spiel mit Beschleunigungen und Verzögerungen, Vorwärtsdrang und Stauungen. Pikant und mitreißend wirken die rhythmischen Wechsel des tschechischen Furiant zwischen Zweier- und Dreiermetrum, dann dürfen sich elegischer Gesang und episches Erzählen breit machen, bevor es zum Schluss erneut schmissig zugeht.

Bei Smetanas und Dvoráks bekannten Ohrwürmern hätten wohl viele der Audimax-Besucher mitsingen oder -pfeifen können, kaum jedoch bei Leos Janáceks abschließend musizierter dreiteiliger Orchesterrhapsodie „Taras Bulba“. In dem Bilderbogen aus der Geschichte des Kosakenvolks sind anfänglich noch schmachtende Liebestöne zu vernehmen, angestimmt von Englischhorn, Oboe und Solovioline, doch bald überwiegt grausames Kriegsgeschehen, das martialisch ins Idyll hineinbricht. In einer kantigen Klangsprache gestalten Arming und die Prager Symphoniker Janáceks Werk als drei Versuche über den Tod: glühend und hochemotional, schonungslos von Signalglocken und grellen Blechbläsersignalen nach vorn gepeitscht. Tod, doch auch Verklärung: eine klanglich überwältigende Schluss-Apotheose schildert die Vision des sterbenden Titelhelden von der Zukunft seines Volks.