Julia Fischer Violine

Orchester des Nationaltheaters Prag
Petr Vronský Dirigent

„Wer an diesem Abend dabei war, konnte erleben, wie Julia Fischer Dvoráks Violinkonzert in den Rang jenes Meisterwerkes hob, das es ist. Es war einer dieser seltenen Momente, in dem Musik hier und jetzt entsteht als groß angelegter Gefühls- und Erzählstrom. Die Geigerin spielte mit solch entwaffnender Überzeugungskraft, mit so kraftvollem wie biegsamem Ton, mit rhythmisch elektrisierender Pointierung, aus symphonischem Geist und mit solcher Klarheit des Blicks über das musikalische Geschehen, dass zuerst Staunen, dann Rührung, schließlich helle Begeisterung folgte.“ – das schrieb Harald Eggebrecht in der Süddeutschen Zeitung im März 2013 über Julia Fischers Sternstunde mit Dvoráks Violinkonzert - eine Sternstunde, die sie jetzt bei Odeon wiederholen wird.

Mit erst 30 Jahren steht die Münchnerin schon an der Weltspitze und ist auf den wichtigsten Podien der Welt zu Gast: Bei  den Salzburger Osterfestspielen mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle, bei den Wiener Philharmonikern, oder 2014 bei USA-Tourneen in Cleveland, New York und San Francisco. Zweimal erhielt sie den Echo Klassik als „Instrumentalistin des Jahres”, den „Diapason d´Or“, und wurde in Cannes mit dem MIDEM Classical Award ausgezeichnet.

 

 

 

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)


Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 op. 72b



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Antonín Dvorák (1841 - 1904)


Konzert für Violine und Orchester a.Moll op. 53



*** PAUSE ***

Ludwig van Beethoven


Sinfonie Nr. 7 A-Dur

Musik wie von einem anderen Stern

Von Juan Martin Koch, MZ | 22. Mai 2015

Das furiose Finale aus Paul Hindemiths g-Moll-Sonate für Violine solo kann in seiner Doppelgriffchromatik angestrengt, ja verbissen wirken. Unter den Fingern einer Julia Fischer, unter der Kontrolle dieser phänomenalen Bogenhand aber schlagen die aberwitzigen Schwierigkeiten auf einmal um ins Hintersinnige, ja Verspielte und spiegeln den ganzen Sologeigenkosmos von Bach über Paganini bis Ysaÿe. Wie zur Illustration dieses Eindrucks schüttelte Fischer nach dieser Gänsehaut-Zugabe beim Odeon-Konzert am Donnerstagabend im Audimax dann auch noch Paganinis 24. Caprice hinterher – Violinspiel wie von einem anderen Stern.Ganz so spektakulär geht es in Dvoráks Violinkonzert nicht zu, doch mit der nötigen Sorgfalt und Hingabe aufgeführt erweist es sich – zumal in den Sätzen zwei und drei – mit den großen Schlachtrössern des Repertoires als absolut ebenbürtig. Mit genau dieser Sorgfalt und Hingabe ging Julia Fischer hier zu Werk, variierte ihren Geigenton in allen Schattierungen von herb-dunkel bis ätherisch-schwebend und stürzte sich mit kontrollierter, gerade deswegen unwiderstehlicher Attacke in die großen Zuspitzungspassagen, etwa vor der Durchführung des ersten Satzes. Das nahtlos sich anschließende Adagio entfaltete seinen ganzen Zauber, weil Julia Fischer die Phrasen atmen ließ, ohne sie mit Vibratoexzessen zu ersticken. Dem hinreißenden Schwung des Finales gab sie mit rhythmischem Biss klare, doch nie forcierte Kontur. Berechtigte Ovationen gab es hierfür, von den wundersamen Zugaben war schon die Rede.

Großen Anteil an der vorbildlichen Liebeserklärung an ein vernachlässigtes Werk hatte das Orchester des Nationaltheaters Prag, unter anderem mit ausgezeichneten Hörnern in der Kadenzandeutung am Ende des ersten Satzes. Petr Vronský dirigierte auswendig, höchst aufmerksam und mit feinem Gespür für die Tempovorstellungen der Solistin. (…)