Krystian Zimerman Klavier

Polnische Kammerphilharmonie
Wojciech Rajski Dirigent

Johannes Brahms (1833 - 1897)


Konzert für Orchester und Klavier Nr. 1 d-Moll op. 15



*** PAUSE ***

Antonín Dvorák (1841 - 1904)

Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88

Krystian Zimerman ist ein Solitär

Von Gerhard Dietel, Mittelbayerische Zeitung | 2.11.2014

(...) Wenn sich einer so rar macht wie Krystian Zimerman, ist man auf dessen öffentliches Musizieren umso gespannter. Im Rahmen der Odeon-Konzerte kam es nun zu einem vom Publikum im Audimax mit lang anhaltendem Applaus gewürdigten Auftritt Zimermans (der sich trotz des Beifalls keine Zugabe mehr entlocken ließ). Dabei hatte der Pianist kein leicht eingängiges Werk präsentiert, sondern, in Gestalt von Johannes Brahms’ erstem Klavierkonzert, eher schwere Kost zugemutet. Brahms’ zwischen großer pathetischer Geste und tief innerlicher Versunkenheit changierendes Werk interpretiert Zimerman mit viel Empfindung, aber ohne aufgesetzte Gefühligkeit. Eher straff und schnörkellos formuliert er nach der Orchesterexposition den Einstieg in seinen Solopart und beginnt erst allmählich, das Gefühlsleben der Brahmsschen Musik mit kleinen Ritardandi und Tempomodifikation zu erschließen. Wunderbar poetisch abgetönt tritt er dann ganz allein, mit sonorer, weitgriffiger Melodik und zart aufrauschendem Passagenwerk in den Vordergrund, ist sich aber auch nie zu schade, in eine dienende Rolle zurückzutreten, wenn das Orchester-Tutti die Führung übernimmt. Nicht weniger als das Zart-Versonnene gelingt Zimerman das Kraftvolle. Wo das Orchester im immens langen Kopfsatz des Konzerts in sanftem Schlummer zu versinken scheint, reißt Zimerman es mit hartem Zugriff und donnernden Oktavgängen aus dem Dämmerzustand. Und vor allem im Finalsatz darf er sich stärker aus dem sinfonischen Korsett befreien: Mit grimmiger Lustigkeit formuliert der Künstler das Rondo-Thema in ausgefeilter Balance zwischen Moll-Ernst und spielerischem Non legato und gibt so dem ganzen Satz das Gepräge.

Die Polnische Kammerphilharmonie ist ein perfekt und im gleichen Geiste agierender Klangkörper. Unter Leitung von Wojciech Rajski zeigen die Musiker nicht nur hier eine rundum überzeugende Leistung: Scharf konturiert im Licht- und Schattenwurf lassen sie Dvoraks achte Sinfonie mit beherztem Zugriff erklingen. Elegisch wirken die Einleitungstakte, entwickeln aber gleich auch jenen Vorwärtsdrang, der die Aufführung in wesentlichen Teilen prägt. Bis zu dramatischen Höhepunkten verdichtet sich der Kopfsatz, gefolgt von einem Adagio in dunklem Balladenton. Graziöse Walzer-Rhythmen leiten zum Finale über, dessen gemütlich auftretendes Thema bis zum lustvollen Klangrausch gesteigert wird.