Hélène Grimaud Klavier

Wassermusik & Brahms

Wassermusik von Berio, Takemitsu, Frauré, Ravel, Albéniz, Liszt, Janácek und Debussy



*** PAUSE ***

Johannes Brahms (1833 - 1997)

Klaviersonate Nr. 2 fis-Moll op. 2

Glitzernde Wassermusik von Grimaud

Von Gerhard Dietel, Mittelbayerische Zeitung | 22.3.2015

Wasser sei der Urstoff allen Lebens, so befand einst der Philosoph Thales von Milet, einer der sieben Weisen der griechischen Antike. Wasser ist auch ein Urstoff für die Musik, so sieht es aktuell die Pianistin Hélène Grimaud. Bei ihrem Recital beim Konzert im Regensburger Audimax widmet sie die erste Hälfte des Programms dem flüssigen Element und verblüfft das Odeon-Publikum mit einer Zusammenstellung von Klavierstücken unterschiedlichster Provenienz. Musik aus Romantik und Impressionismus mischt Grimaud mit Kompositionen der jüngeren Vergangenheit zu einer kontinuierlichen Abfolge, die nur durch kleine Atempausen gegliedert wird, und siehe da: das funktioniert bestens und fügt sich aus verschiedensten Quellen zum großen Klang-Fluss.

Akustische und optische Wasserimpressionen zaubert die Pianistin aus den Tasten des Flügels. Sanft scheinen bei Luciano Berios „Wasserklavier“ einzelne Tropfen im Diskant des Klaviers zu perlen, um sich in den milden Clustern von Tore Takemitsus „Rain Tree“ zu ruhigem Rinnen und Rieseln zu verdichten. Farbensprühende Fontänenkunst mit hell glitzernden, feinst zerstäubten Klängen bieten dann Maurice Ravels „Jeux d’eaux“ und Franz Liszts Eindrücke von den Wasserkaskaden der Villa d’Este in Tivoli, wo die Gischt im Fallen auch einmal heftiger aufschäumt. (…)

So viel an weich wogender Wassermusik bedarf des Kontrasts, meint Hélène Grimaud, und musiziert darum nach der Pause ein Werk des jungen Johannes Brahms. Sollte alle schwerelose Tastenmagie der ersten Programmhälfte den einen oder anderen Hörer ein wenig zum Träumen verführt haben, so weckt die Pianistin ihn nun mit einer kernigen Interpretation von dessen fis-Moll-Sonate op. 2, in der sie den Flügel nicht mehr streichelt, sondern mit wahren Löwenpranken bearbeitet. Das ist dieser Komposition mehr als angemessen, in der Brahms gleich mit wildem Oktavendonner beginnt und auch später in dichtem und weiträumigem Satz immer wieder die Muskeln spielen lässt.Hélène Grimaud zeigt mit ihrer Interpretation einen jungen Komponisten am Scheideweg, gewillt, berühmt zu werden, aber noch unentschlossen, auf welchen Bahnen das geschehen soll. Die Pianistin entdeckt in dieser kraftgenialischen Sonate des 19-Jährigen manches Rhetorische, das verblüffend an Lisztsche Musik erinnert – bei dem Brahms auf der Suche nach einem Förderer ja auch vorsprach, bevor dann Robert Schumann sein Mentor wurde. So unangestrengt durchmisst Hélène Grimaud diesen Sonatenkoloss, dass sie danach sogar noch Lust zu drei Zugaben von Debussy, Rachmaninow und abermals Brahms hat. Das Odeon-Publikum dankt es ihr mit anhaltendem Applaus, wobei sich manche Besucher sogar begeistert von ihren Plätzen erheben.