Hallé Orchestra Manchester

Sir Mark Elder Dirigent
Martin Stadtfeld Klavier | Elizabeth Watts Sopran

Giuseppe Verdi (1813 - 1901)


Ouvertüre zur Oper "La Forza del destino"



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Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847)
Klavierkonzert Nr. 2 d-Moll op. 40



*** PAUSE ***

Gustav Mahler (1860 - 1911)

Sinfonie Nr. 4 G-Dur

Zwischen Unheil und Paradies

Von Gerhard Dietel, Mittelbayerische Zeitung | 15. März 2015

Mächtige Fanfarenstöße eröffnen den Konzertabend, gefolgt von unheilvoll dräuenden Streicherfiguren: die „Macht des Schicksals“, wie Verdi sie in der Ouvertüre seiner so betitelten Oper schildert, ergreift die Zuhörer im Audimax vom ersten Augenblick an. Ebenfalls in die Tiefe der Gefühlswelt führt der Konzertschluss. Mit elegischen, aber auch klangsatt in den Streichern ausgekosteten „Sospiri“ von Edward Elgar verabschieden sich Dirigent Sir Mark Elder und das Hallé Orchestra Manchester vom anhaltend applaudierenden Odeon-Publikum.

Derart dunkel und schmerzlich geht es allerdings nur kurz zu. Lichtere Farben, unbeschwertere und idyllische Züge dominieren. In Mendelssohns Klavierkonzert Nr. 2 beginnt das Orchester zwar mit d-Moll-Drohgebärden, doch mit seinem Solo-Einstieg führt Pianist Martin Stadtfeld die Musik in sanftere Bezirke. Leichtgewichtig und flüssig bleibt sein Spiel. Forcierte Virtuosität und Rhetorik à la Liszt haben hier nichts zu suchen, wie Stadtfeld zeigt, wohl aber ein brillanter Stil mit geschmeidigem Passagen- und Rankenwerk, das graziös über die Tasten gleitet, aber auch – im weihevollen Adagio-Mittelsatz – zu poetischer Vertiefung fähig ist. (...) Stadtfelds Zugabe, das Eröffnungsstück von Schumanns „Kinderszenen“ schlägt eine Brücke zur folgenden vierten Sinfonie von Gustav Mahler, die dem Motto „Was mir das Kind erzählt“ folgt. Ausgangspunkt ist das vokale Finale, das nach einem Text aus „Des Knaben Wunderhorn“ ein Jenseits ausmalt, in dem sich Paradies- und Schlaraffenland-Vision mischen. In nicht ganz klarer Linienführung schildert Sopranistin Elizabeth Watts Mahlers „himmlische Freuden“, findet jedoch in der verklärten Schlussstrophe zur angemessenen inneren Ausgeglichenheit.

Raffiniert inszenierte Naivität bietet der Instrumentalpart der Sinfonie, den der klug disponierende Dirigent Sir Mark Elder und das Orchester mit viel Detailliebe auskosten. Prächtig gelingt es ihnen, kammermusikalisch licht die individuellen Klangfarben der Instrumente hervortreten und einander ablösen zu lassen. Perfekt werden im Kopfsatz die unvermuteten Tempo-Rückungen und sogar -überblendungen realisiert, beklemmend wirken die Totentanz-Anspielungen im Scherzo und tiefste Ruhe atmet der langsame Satz. Visionär gestalten die Musiker den Schluss: wenn die Bläser, von Arpeggien der Streicher und der Harfe umrauscht, wie mit Feuerzungen eine Paradies-Vision aufscheinen lassen, in die keine „Macht des Schicksals“ mehr hineinreicht.