Chopin - Die Klavierkonzerte

Olga Scheps Klavier
Stuttgarter Kammerorchester

Die beiden großen Klavierkonzerte Chopins an einem Abend live im Konzert zu erleben, ist ein ebenso seltenes wie exquisites Erlebnis. Vor allem wenn die Interpretin Olga Scheps heißt, über deren Spiel Kritikerpapst Joachim Kaiser schrieb: „So habe ich Chopin noch nie gehört“. Soeben hat die junge Senkrechtstarterin, die mehrfach mit den ECHO-Klassik ausgezeichnet wurde, diese Werke zusammen mit dem Stuttgarter Kammerorchester und Dirigent Johannes Klumpp bei ihrer Exklusivfirma Sony eingespielt. „Wie eine kokette Ballerina“ schwärmte daraufhin Julia Spinola in der ZEIT und ein anderer Kritiker schrieb: „Ihre Gestaltung des zweiten Satzes des e-Moll Konzerts ist ein Gedicht: ein zartes Gewebe melancholischer Impressionen, die manchmal zu hauchfeinem Klangnebel zerstäuben. Bezaubernd.“ 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)


Divertimento F-Dur KV 138



***

Frédéric Chopin (1818 - 1849)
Konzert für Klavier und Streichorchester Nr. 2 f-Moll op. 21



*** PAUSE ***

Guillaume Lekeu (1870 - 1894)

Adagio für Streichorchester op. 3

Furioser Ritt über die Tasten

Von Helmut Hein, MZ | 6. Mai 2015

(…) Die russische Pianistin, die seit ihrem sechsten Lebensjahr hauptsächlich in Deutschland lebt, gibt zu Ende des Odeon-Konzerts am Dienstagabend ein ultra-virtuoses Zugabestückchen, so noch nie gehört, das vor allem dazu dient, selbst dem letzten Skeptiker zu demonstrieren, wie atemberaubend rasch und dabei völlig fehlerfrei sie ihre Hände und Finger bewegen kann. Da hat das Publikum keine Wahl mehr. Es klatscht wie verrückt. Noch verrückter als man es bei den – Exzessen aller Art keineswegs abgeneigten – Klassikhörern schon gewohnt ist. Und dann stehen die Leute auf, zuerst wenige, dann immer mehr: Standing Ovations; Olga Scheps hat gewonnen. Und sie hat es verdient. Denn man bekam durch sie einen völlig neuen Chopin zu hören.

(…) Auf dem Audimax-Podium sitzen die Musiker des Stuttgarter Kammerorchesters. Es ist, in seiner Besetzung, 14 Männer und 5 Frauen, so klein, so „schmal“, dass man es ein Salonorchester nennen könnte. Aber es hat einen sehr leidenschaftlichen Dirigenten, den jungen Johannes Klumpp. Bevor Olga Scheps die Bühne betritt, vor und nach der Pause, wärmen sich die Musiker auf. Einmal mit einem Jugendwerk Mozarts, dem Divertimento F-Dur KV 138, bei dem sich die Experten nicht so recht einig werden können, worum es sich handelt, obwohl der Titel doch recht eindeutig ist: um Unterhaltungsmusik der Rokokozeit, um eine Sinfonie oder gar um ein frühes Streichquartett. Die Stuttgarter spielen das Stück straff, frisch, so, dass man aufhorcht.

Nach der Pause spielt das Orchester, fast noch besser, Guillaume Lekeu, den kaum einer kennt (…), weil er sehr früh, mit noch nicht einmal 24 Jahren 1894 starb und seine Werke nicht unbedingt zum Repertoire gehören. Warum eigentlich nicht? Denn zumindest dieses Adagio für Streichorchester ist nicht einfach nur spätromantisch-wehmütig, düsterer Klangzauber, es ist auch von der Komposition her sehr vertrackt und aufregend. Aber Johannes Klumpp und seine Musiker bringen Licht ins Seelen-Dunkel. (…)