Cecilia Bartoli Mezzosopran

Kammerorchester "I Barocchisti"
Diego Fasolis Dirigent

Ein Fest: Cecilia Bartoli im Audimax

Von Claudia Böckel, Mittelbayerische Zeitung | 23.11.2014

(…) Die Bartoli singt zum ersten Mal auf russisch – und auch da ist ihre Aussprache perfekt, jedes Wort zu verstehen, wie sich aus kundigem Mund erfahren ließ, trotz der vielen Konsonanten, trotz der Zisch- und Rachenlaute. Ja, sie ist gut, sie ist perfekt, die Interpretation sitzt bis ins kleinste Detail, Stimmsitz, Vokalfärbungen, alles passt. Das Programm ist sehr einheitlich, alle Arien handeln vom Sterben, vom Gehen. Alle sind sie langsam, zurückhaltend, fürs Feuer ist das Orchester zuständig, das ab und an Ouvertüren einstreuen darf, in denen die Post abgeht sozusagen, die in rasanten Tempi wilde Kapriolen vollführen.

Das Orchester I Barocchisti spielt so perfekt wie Cecilia Bartoli singt, mit unglaublichen dynamischen Abstufungen bis ins Pianissimo, aber eben auch mal feurig, zornig, ungehemmt. Das Originalklang-Ensemble folgt dem Dirigenten auf den kleinsten coolen Fingerzeig hin, es begleitet die Bartoli bei ihren verinnerlichten Pianissimo-Orgien so, dass immer noch die Stimme im Vordergrund zu hören ist. Diese Kultur des Leise-Singens, des mezza voce, der Halb-Stimme, das macht der Bartoli keine nach. Mit unglaublicher Bandbreite an Ausdruck fesselt sie in einem Hörbereich, wo man bei anderen Sängern schon längst die Aufmerksamkeit abgeschaltet hätte. Vielleicht wirkt sie ja auch erzieherisch auf das Publikum ein, gönnt uns keine wilde Rache-Arie zwischendurch, sondern bleibt im Affekt, in der Kontemplation, um unsere Hörgewohnheit, die doch auf Abwechslung fixiert ist, aufzumischen.

Erst bei den Zugaben gibt es auch mal lautere Bartoli-Töne. Sie kann das natürlich auch, bedeutet das, aber sie wollte eben zuvor nicht mehr geben, wollte ihre Liebe zum Detail zeigen, zu musikalischer Feinarbeit, die durchaus faszinieren kann. (…) Bei den Zugaben setzt Bartoli durchaus auf Überraschungen, wenn sie sich eine kleine Fehde mit dem Trompeter liefert und beide sich in ihren Quasi-Improvisationen bei der Kadenz zu übertreffen suchen. Wer kann höher, raffinierter, wilder? (…) Alle zusammen machten aus dem gefeierten Arienabend ein Fest barocker Oper.