Anne-Sophie Mutter Violine

Dänisches Nationalorchester
Cristian Macelaru Dirigent

Carl Nielsen (1865 - 1931)


Ouvertüre zur Oper "Maskerade"



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Jean Sibelius (1865 - 1957)
Violinkonzert d-Moll op. 47



*** PAUSE ***

Johannes Brahms (1833 - 1897)

Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68

Hinreißendes Violinspiel in Vollendung

Von Juan Martin Koch, Mittelbayerische Zeitung | 30.1.2015

Der Beginn des Violinkonzerts von Jean Sibelius ist pure Magie. Über eisig klarer Wasseroberfläche erhebt die Solovioline ihren ersten Gesang: zuerst frei, anstrengungslos sich verströmend, dann zunehmend intensiver bis ins Leidenschaftliche sich aufschwingend. Unter Anne-Sophie Mutters Händen hält die Magie etwa 20 Sekunden an. Vibratolos, mit delikatem und doch tragfähigem Pianissimo setzt sie ein, um dann aber mit einem ersten, leicht süßlichen Portamento zwei Töne ineinandergleiten lassen. (…) Im weiteren Verlauf macht die Geigerin klar, wer hier das Heft in der Hand hat. Sobald sie nach einer Orchesterpassage einsetzt, hält sie – etwa im zweiten Thema – das Tempo zurück. Die Details ihres Parts und deren möglichst ausdrucksgesättigte Beleuchtung interessieren sie mehr als der große formale und konzertante Zusammenhang. Technisch und klanglich bewegt sie sich dabei auf jenem schwindelerregenden Niveau, das man seit jeher von ihr gewohnt ist. Über ihr Violinspiel in Vollendung kann man immer wieder staunen.

Interpretatorisch bleiben indes Fragen offen: Warum treibt Mutter das herrliche erste Solo im zweiten Satz auf der tiefen G-Saite in höchste, etwas verbissene Regionen? Warum enteilt sie im unwiderstehlich zupackenden Finale dem Orchester zuerst um ein Haar, wenn sie kurz darauf wieder abbremsen muss, um den Solopart besser zur Geltung zu bringen? Der Schlusstaumel gerät allerdings hinreißend, und die Solistin bedankt sich für den Jubel mit Bachs d-Moll-Sarabande: zeitloses, in sich ruhendes Musizieren.

Die Musiker des Danish National Symphony Orchestra hatten mit der geistsprühenden „Maskerade“-Ouvertüre ihres Landsmannes Carl Nielsen bestens ins Konzert hineingefunden. Unter Cristian Macelarus aufmerksamer Leitung gelang es ihnen dann bei Sibelius über weite Strecken, der Solistin Eigensinn gekonnt abzufedern. Auch in Brahms‘ erster Symphonie zeigten sich die Stärken dieses ausgezeichneten Klangkörpers, dessen Glanzstück an diesem Abend die Holzbläser waren, angeführt von einer überragenden Solo-Oboistin. Bei den Streichern dominierten die ersten Geigen mitunter allzu sehr, der vergleichsweise trockene Klang der Hörner ergab reizvolle Effekte (...). Insgesamt war es eine beachtliche, in entscheidenden Kontrasten, Übergängen und Steigerungen aber nicht durchweg zwingende Deutung. Immerhin gab es als Kabinettstückchen noch einen Tanz, wiederum aus dessen Oper „Maskerade“, als Zugabe und als ruhigen, fast aus dem Stillstand heraus in Bewegung versetzten Abschiedsgruß Sibelius‘ „Valse triste“.