Daniel Barenboim

Klavier

Meister-Pianist Daniel Barenboim, der von Musikkritiker Joachim Kaiser einmal als „das letzte Genie der klassischen Musik“ bezeichnet worden ist, geht immer aufs Ganze. Ob er sich in den Nahost-Konflikt einmischt, ob er in Israel für Wagner wirbt oder ob er dirigiert oder Klavier spielt. Wenn er an den Flügel tritt, dann weiß man, dass er etwas Bestimmtes vorhat und es unbeirrt ausführen wird. Dabei ist er alles andere als ein altersweiser Grandseigneur – im Gegenteil: Neben seiner unbestrittenen Reife strahlt er vor allem Frische und Experimentierfreude aus, und mit diesen Künstlertugenden hat er sich auch den Klavierwerken des ewig jungen Schubert genähert. Barenboim nimmt diese, wie er selbst sagt, „zugleich lachenden und weinenden Wunderwerke des poetischen Ausdrucks“ vollkommen unbefangen in Besitz. Bei seinem Rezital in Regensburg interpretiert Barenboim zwei große Klaviersonaten Schuberts, darunter die überwältigende „Gasteiner Sonate“ op. 53.

In einem Zeitraum von 13 Jahren entstanden Franz Schuberts Klaviersonaten. Nur knapp die Hälfte wurde vollendet – die letzte, seine bekannteste, in B-Dur kurz vor seinem Tod 1828. Erstaunlicherweise erblickten sie aber erst im 20. Jahrhundert das Licht des Konzertsaals. „In den Sonaten steckt Schuberts ganze Entwicklung“, sagt Daniel Barenboim. „Ich glaube, dass jeder Komponist ein eigenes Medium hat, das ihm als persönliches Tagebuch dient. Bei Schubert waren das neben den Liedern auch die Klaviersonaten. Sie sind eine Offenbarung, eine spannende, hochinteressante Reise.“ Lange hatte der große Dirigent und Pianist das vor Fantasie überquellende Notenmaterial nur auf dem heimischen Klavierpult stehen. Doch dann ging Barenboim vor wenigen Jahren wie immer aufs Ganze: Er eignete sich das Mammutrepertoire in kürzester Zeit an, spielte den Sonaten-Zyklus 2012 bei den Salzburger Festspielen und anschließend auch gleich bei der Deutschen Grammophon auf CD ein. In Regensburg ist Barenboims großartiges Vorhaben mit einem Schubert gewidmetem Konzertabend erneut zu erleben.

Franz Schubert (1797 - 1828)

Klaviersonate a-Moll D 845


*** PAUSE ***

Franz Schubert
Klaviersonate D-Dur D 850 "Gasteiner Sonate"